Wulf Gallert, Spitzenkandidat der LINKEN in Sachsen-Anhalt
Stichwort Heimat, welche Bilder haben sie da vor Augen?
Ich bin in Havelberg geboren und dort groß geworden, da liegen meine Wurzeln, und bei den Bildern – da sehe ich zuallererst und immer wieder gerne den Havelberger Domberg.
An Sie als Politikwissenschaftler, warum ist die NPD in Sachsen (und vielleicht auch bald in Sachsen-Anhalt?) so erfolgreich?
Das Problem in Sachsen-Anhalt sind nicht die ca. 230 heillos zerstrittenen Mitglieder dieser Partei. Das eigentlich Schlimme liegt darin, dass deren faschistische, rassistische und fremdenfeindliche Parolen bei bis zu 10 % der Menschen im Lande auf durchaus fruchtbaren Boden fallen. Hier müssen wir, müssen alle Demokratinnen und Demokraten ansetzen. Und das auch jenseits unserer Grenzen, wie eine höchst aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt.
Was schätzen Sie so an Ihrem Freund Jens Bullerjahn, dem SPD-Spitzenkandidaten?
Ach, wir kennen uns lange, haben in Zeiten des „Magdeburger Modells“ intensiv zusammengearbeitet und die Tolerierung mitgestaltet – wir verstehen uns halt gut!
Auch ich wähle am 20. März. Warum sollte ich Ihre Partei wählen?
Wer ein sozial gerechteres Sachsen-Anhalt wünscht, in dem die Menschen für ihre Arbeit existenzsichernde Löhne erhalten, in dem Kinder länger gemeinsam lernen können, anstatt bereits nach der vierten Klasse auf einen Bildungsweg festgelegt zu werden, in dem alle Kinder unabhängig von der sozialen Herkunft gleiche Entwicklungschancen erhalten (z.B. mit einem Ganztagsanspruch auf Betreuung in der Kita oder ein Studium ohne Gebühren), für den ist DIE LINKE die richtige Wahladresse.
Was würden Sie als frisch gebackener Ministerpräsident als erstes in Ihrem Land verändern wollen?
Nun, ich würde zunächst ein Kabinett bilden, und dann wird es in Gemeinsamkeit mit den demokratischen Institutionen und vor allem auch den Menschen in diesem Lande darum gehen, unsere Wahlziele und die Vereinbarungen eines Koalitionsvertrages umzusetzen. Das sind zum Teil sehr komplexe Dinge, Schnellschüsse taugen da nicht, und auch die verbreiteten 100-Tage-Programme sind nicht das, worum es geht. Qualität und die Erarbeitung von breiter Akzeptanz sind allemal wichtiger als Hochgeschwindigkeitspolitik.

Ein Studium ohne Gebühren? Soll ein Studium nicht eine Herausforderung sein, um in seinem späteren Leben überdurchschnittlich zu verdienen? Natürlich soll die Herausforderung nicht im finanziellen Aspekt versinken, sondern eher die Intelligenz des Individuums fordern, aber ein gewisser Tribut sollte entrichtet werden. Schließlich ist BaFög für jeden Studenten ein gutes Mittel, um ein Studium zu finanzieren. Unabhängig von Herkunft und finanziellen Mitteln der Eltern. Wenn wir dem Bürger kostenlose Bildung anbieten in Grund-, Mittelschulen sowie Gymnasien ist das eine ehrbare Sache, jedoch sollte bei einem Studium Abstriche gemacht werden.
Bedenken wir bitte, dass Wissen unbezahlbar ist, ein Studium in Deutschland hingegen ist und bleibt bezahlbar für Jedermann.
Es sollte eher auf die Regelung für private Hochschulen ein Augenmerk gesetzt werden, zumal unverschämt hohe Studienbeiträge nach einem erkauften Titel und Bildungsabschluss riechen.
Danke