niko1990

Archiv für die Kategorie ‘5 Fragen an…’

„Heute ist sich jeder selbst der Nächste!“ 5 Fragen an…

In 5 Fragen an... am 25. März 2011 um 17:06

Dietmar Pellmann, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

Er hat sich entschieden. Dietmar Pellmann steht auf der Seite der „kleinen Leute“. Wohnt im Plattenbau. Immer für jeden erreichbar. Eitelkeit ist ihm fremd. Der 60-Jährige verkörpert einen Politikertypus, den man heute nur noch selten findet. Pellmann, der Anwalt der Unterprivilegierten. Seine Stimme erinnert an jene des Wolfs in Grimms „Rotkäppchen“. Kräftig. Knurrig. Zudem wird ihm ein “außergewöhnliches Gedächtnis” zugeschrieben – eine Fähigkeit, die er aus der Not heraus entwickelt haben dürfte: Pellmann ist zum Teil erblindet, Notizzettel nützen ihm nichts. Als einer von zwei Links-Abgeordneten wurde er direkt in den Landtag gewählt  und genießt fraktionsübergreifendes Ansehen. Seine Themen sind linke Alleinstellungsmerkmale: Abschaffung von Hartz IV und der Rente mit 67. Doch war das Sozialsystem der DDR besser? Wie sieht jemand, der bei “denen da oben” mitmischt, eigentlich “die da unten”? Fünf Fragen an Dietmar Pellmann.

Herr Pellmann, worauf sind Sie als Politiker stolz?

Ich bin selten stolz. Ich bin zumindest dann stolz, wenn es mir gelingt, für Menschen etwas zu bewegen. Das ist in diesem Landtag natürlich schwierig, da wir als Opposition mittelbar kaum etwas durchsetzen können. Aber vor Ort kann ich sehr wohl etwas bewegen. Wenn es mir gelungen ist, Menschen zu den Leistungen, die sie beanspruchen können, zu verhelfen, obwohl ihnen diese verwehrt wurden, dann bin ich zumindest zufrieden, wieder etwas geschafft zu haben.

Sie wohnen ja in einem Plattenbau. Welche Probleme der Menschen, die auch dort wohnen, bekommen sie mit?

Ich bekomme zumindest mehr Probleme mit, weil ich dort mehr Menschen treffe. Ich habe – vielleicht gegenüber anderen Abgeordneten – einen entscheidenden Vorteil: Wenn man als Abgeordneter unmittelbar in dem Wahlkreis wohnt, in dem man auch gewählt werden will, bekommt man die Probleme der Menschen unmittelbar mit und kann sich mehr engagieren. Damit meine ich vor allem Erschwernisse für jene, die nicht zu den Begüterten gehören, zum Beispiel wenn eine Straßenbahn eingestellt werden soll. Oder ganz alltäglich: Wenn mich ein Ehepaar fragt, ob ich helfen kann, damit ihr Hund wieder frisst.

Sie als Historiker: Wie unterscheidet sich unser heutiges Sozialsystem von dem der DDR?

Gravierend! Das Sozialsystem der DDR kannte in vielerlei Hinsicht eher eine Gleichbehandlung. Die Schere zwischen arm und reich war – in unserem heutigen Ausmaß – nicht vorhanden. Und das System war kurioserweise – das glaubt man immer nicht – auch auf mehr Beteiligung ausgerichtet. Ich habe viel mehr freiwilligen Einsatz erlebt als heute! Und weil zudem oft Mangel herrschte, war die Zuneigung, die Solidarität, die Nachbarschaftsverbindung viel stärker als heute. Es gab Hausgemeinschaften, die wirklich existierten! Heute ist sich viel mehr jeder selbst der Nächste. Das ist ein Grundübel dieser Gesellschaft.

Barack Obama, Präsident der USA, schreibt in seinem Buch „Hoffnung wagen“: „Vor allem anderen müssen wir die Überzeugung bewahren, dass wir trotz großer Vermögensunterschiede alle gemeinsam aufsteigen oder abstürzen. Weil sich das Tempo des Wandels beschleunigt und dabei einige aufsteigen und viele abstürzen, ist es heute schwer, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu erhalten.“ Haben wir dieses Gefühl nicht schon längst verloren?

Es gibt keine absoluten Wahrheiten – im philosophischen Sinne. Richtig ist: Starke Zusammengehörigkeitsgefühle gibt es nur noch im Familiären oder in Freundeskreisen. Die sind möglicherweise schwächer als früher, aber sie sind vorhanden.  Gesamtgesellschaftlich ist das Zusammengehörigkeitsgefühl sicherlich nicht mehr vorhanden – bestenfalls noch beim Fußball, wenn Holland gegen Deutschland spielt.

Wie lange haben Sie noch Lust auf Politik?

Voraussichtlich sind das jetzt meine letzten Jahre als Politiker. Man muss abtreten, wenn es zumindest noch ein paar Leute bedauern. Ich habe allerdings manchmal die Befürchtung, dass das, was man über viele Jahre aufgebaut hat, nicht ausreichend von Nachfolgern gestaltet wird. Wenn es so wäre, kann ich das allerdings auch nicht ändern.

“Unsere Demokratie steckt in einer Krise!” 5 Fragen an…

In 5 Fragen an... am 24. März 2011 um 13:16

Klaus Bartl, verfassungs- und rechtspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

„Er hat sich zum lupenreinen Demokraten weiterentwickelt“, sagt Linkspolitiker Gerhard Besier über seinen Fraktionskollegen. Klaus Bartl ist 1950 geboren und trat bereits mit 23 Jahren in die SED ein, mit 26 wurde er Staatsanwalt in der DDR. Aus seiner Tätigkeit als Stasi-IM hat Bartl nie einen Hehl gemacht, er sieht dies als “Teil meiner Vergangenheit.” In der sächsischen Landespolitik gilt Klaus Bartl vielen als „graue Eminenz“. Er ist der einzige Abgeordnete der Linken, der seit 1990 im Landtag sitzt. Bartl steckt zudem hinter allen erfolgreichen Verfassungsklagen der Linken. Als „Faszinosum“ beschreibt ein Freund Bartls seine Fähigkeit, „sich in einem ständigen Erneuerungsprozess zu befinden und sich dabei trotzdem treu zu bleiben.“ Wie sieht einer – nach 20 Jahren Wiedervereinigung – die DDR, in welcher er aktiv politisch tätig war? War die DDR ein Unrechtsstaat? Fünf Fragen an Klaus Bartl.

Herr Bartl, Sie gelten als „Urgestein“ der Fraktion und waren nach der Wende Fraktionsvorsitzender, damals noch von der PDS. Ist es heute leichter für DIE LINKE als damals, Politik zu machen?

Das Problem war damals, dass die Fraktion Linke Liste/PDS völlig ausgegrenzt wurde. Andererseits war es eine spannende Zeit im Landtag, in dem viele kompetente Abgeordnete aus den verschiedensten Berufsgruppen arbeiteten. Rückblickend betrachtet wurden damals alle Probleme sachgerechter beraten. Heute bin ich der Auffassung, dass vieles oberflächlich oder zu sehr eingeschliffen ist. Politikwissenschaftler sprechen von einer „Entparlamentisierung der Parlamente“. Die Parlamentarier haben immer weniger Möglichkeiten, auf politische Entscheidungen tatsächlich Einfluss zu nehmen.

Sie arbeiteten in der DDR drei Jahre als Staatsanwalt. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog bezeichnete, ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die DDR als „Unrechtsstaat“. War die DDR ein Unrechtsstaat?

Der juristische Dienst des Bundestags hat auf genau diese Frage geantwortet: „Es gibt keine Kategorie Unrechtsstaat.“ Der Begriff entzieht sich einer rechtlichen Definition. Anders gesagt: Im Maßstab der Bundesrepublik Deutschland sind die Malediven ein Unrechtsstaat. Und im Maßstab der BRD war auch die DDR kein Rechtsstaat, weil sie zum Beispiel keine Gewaltenteilung hatte. Es gab andererseits im Arbeits- und Sozialrecht ausgeprägte Rechtslagen für die Menschen. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb waren um Weiten anders, Arbeitsrecht war besser ausgestaltet. Es ist schwierig mit dem Abstand von 20 Jahren zu beurteilen, ob die DDR ein Unrechtsstaat war oder nicht. Es ist ein Kampfbegriff, eine politische Kategorie, die es wissenschaftlich determiniert nicht gibt.

Das geschriebene Recht stand unter dem Vorbehalt des Politischen in der Gestalt des SED-Willens.

Und Adenauer hat gesagt: „Wir müssen uns davor hüten, dass wir keine Diktatur der parlamentarischen Mehrheit kriegen.“ Die DDR hatte eine Volkskammer, in der die Blockparteien 40%, die SED 25 % der Sitze hatten. Dazu kamen Massenorganisationen, die allerdings von der SED dominiert waren. Es sind in der DDR alle Gesetze, bis auf eines, mit 100% der Stimmen, also auch mit denen der Blockparteien, angenommen wurden. Und die Gesetze sind dann letzten Endes die Grundlage gewesen. Dass die führende Rolle der SED in der Verfassung stand und auch akzeptiert und praktiziert wurde, ist unbestritten. Die Eingriffe der Politik in rechtliche Zusammenhänge war in der DDR sicherlich ausgeprägter als heute: Richter konnten abberufen werden, Staatsanwälte wurden über Parteinomenklatur eingesetzt. Heute läuft es in der Form wesentlich demokratischer.

Auf Ihrer Website kann man lesen: „Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerstandslos hinnehmen!“ Haben Sie in der DDR Widerstand geleistet?

Das ist eine meiner Lebenslehren. Deswegen bin ich 1989 auch nicht abgetaucht. Ich habe frühzeitig Kontakt mit den neuen Parteien gesucht, ich mit dem Neuen Forum gesprochen, ich saß am Runden Tisch, ich habe als Vertreter der SED an den Montagsdemos teilgenommen. In dieser Zeit ist für mich die Erkenntnis gewachsen, dass es nicht viel bringt, sich in kleineren Gruppen über bestimmte Missstände zu streiten, sondern das, was man als falsch empfindet, artikulieren muss. Das Scheitern der SED hängt damit zusammen, dass die nachwachsende Generation zwar die Fehlentwicklungen erkannt, aber eben geschwiegen hat.

Wie würden Sie mir, der ich im wiedervereinten Deutschland geboren bin, die DDR beschreiben?

Es war für mich ein völlig legitimer Versuch einer Gesellschaftsalternative zum Kapitalismus, der sehr enthusiastisch begonnen hat. Ich persönlich bin der Auffassung, dass die DDR nie den Anspruch erhoben hat, sie sei nun der fertige sozialistische Staat. Es gab Zeiten, als durchaus die übergroße Mehrheit der Bevölkerung voll hinter diesem Versuch stand. Und es gab zuletzt die völlige Ignoranz derer, die die Hauptentscheidungen zu treffen hatten im Politbüro oder im Zentralkomitee. Es war letzten Endes ein Versagen all derer, die in irgendeiner Form Verantwortung getragen haben. Für mich ist damit allerdings nicht die Alternative Sozialismus erledigt. Ich bin der festen Überzeugung, diese repräsentative parlamentarische Demokratie und die Parteiendemokratie, wie sie sich jetzt in Deutschland darstellt, auch nicht das non plus ultra ist. Wenn weniger als die Hälfte der Leute zur Wahl gehen, dann steckt unsere Demokratie in einer Krise. Doch Sozialismus kann man nur demokratisch determinieren. Deswegen demokratischer Sozialismus.

5 Fragen an…

In 5 Fragen an... am 16. März 2011 um 11:34

Sebastian Scheel, haushalts- und finanzpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE

Vom Äußeren her könnte er bei der FDP sein: perfekt sitzender Anzug, Brille, Seitenscheitel. Sebastian Scheel ist mit 35 Jahren Vorsitzender des für die Opposition wichtigsten Landtagsausschusses, des Haushalts- und Finanzausschusses. Nach parlamentarischem Brauch wird der “Königsausschuss” stets von der größten Oppositionsfraktion geführt. Scheel hat in Leipzig Politische Wissenschaften, Volkswirtschaft und Philosophie studiert. Letztes Jahr warf er der Landesregierung „finanzpolitischen Fundamentalismus“ vor. Wie aber würde er als Finanzminister agieren? Los geht’s, fünf Fragen an Sebastian Scheel.

Herr Scheel, lieber Maßanzug oder von der Stange?

(lacht) Ich bin ja für die ökonomische Sichtweise, und da ist die Stange immer preiswerter, wenn man denn die nötigen Maße dafür hat.

Was ist noch mal das Spannende an Haushaltspolitik?

Bei Haushaltspolitik hat man immer mit allem zu tun. Ich will jetzt nicht vom Generalisten reden, aber man hat die Möglichkeit, überall Einblicke zu bekommen. Nicht zuletzt hat der ehemalige Finanzminister von Ludwig XIII., Kardinal Richelieu, gesagt: „Der Haushalt ist der Nerv des Staates. Daher muss er den profanen Augen der Untertanen entzogen werden.“ Unsere Aufgabe ist es, Transparenz in das Geschäft zu bringen.

Steinbrück oder Schäuble?

Da ich den Kollegen Steinbrück als Volkswirtschaftler mehr schätze und glaube, dass bei ihm eine andere Herangehensweise erkennbar ist als bei einem Juristen, würde ich eher Steinbrück sagen.

Würden Sie als Finanzminister genauso diszipliniert sparen wie es jetzt unter der schwarz-gelben Landesregierung der Fall ist?

Die Frage ist nicht ganz korrekt. Sparen ist ja kein Selbstzweck, sondern es geht darum, mit den Rahmenbedingungen, die man hat, umzugehen. Welche Prioritäten setzt man? Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus bei den Schwächsten der Gesellschaft den Rotstift anzusetzen, sondern sinnvolle Haushaltspolitik zu machen, die im Rahmen stattfinden muss. Wir haben mit unseren letzten Alternativen, die wir ins Gespräch gebracht haben, auch bewiesen, dass das möglich wäre.

Vergangene Woche haben hier in Dresden mehrere tausend Lehrer für eine Gehaltserhöhung demonstriert. Sollten Sächsische Lehrer mehr verdienen?

Ja, und zwar aus dem einfachen Grund: Wir haben einen massiven Lehrermangel in den nächsten Jahren zu erwarten. Wenn wir gute Lehrkräfte nach Sachsen holen oder hier halten wollen, müssen wir sie ausreichend gut bezahlen und können nicht als Niedriglohnland für die Bildungsindustrie herhalten. Weil das am Ende auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder ausgetragen wird.

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In 5 Fragen an... am 12. März 2011 um 15:57

Wulf Gallert, Spitzenkandidat der LINKEN in Sachsen-Anhalt

Stichwort Heimat, welche Bilder haben sie da vor Augen?
Ich bin in Havelberg geboren und dort groß geworden, da liegen meine Wurzeln, und bei den Bildern – da sehe ich zuallererst und immer wieder gerne den Havelberger Domberg.

An Sie als Politikwissenschaftler, warum ist die NPD in Sachsen (und vielleicht auch bald in Sachsen-Anhalt?) so erfolgreich?
Das Problem in Sachsen-Anhalt sind nicht die ca. 230 heillos zerstrittenen Mitglieder dieser Partei. Das eigentlich Schlimme liegt darin, dass deren faschistische, rassistische und fremdenfeindliche Parolen bei bis zu 10 % der Menschen im Lande auf durchaus fruchtbaren Boden fallen. Hier müssen wir, müssen alle Demokratinnen und Demokraten ansetzen. Und das auch jenseits unserer Grenzen, wie eine höchst aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung belegt.

Was schätzen Sie so an Ihrem Freund Jens Bullerjahn, dem SPD-Spitzenkandidaten?
Ach, wir kennen uns lange, haben in Zeiten des „Magdeburger Modells“ intensiv zusammengearbeitet und die Tolerierung mitgestaltet – wir verstehen uns halt gut!

Auch ich wähle am 20. März. Warum sollte ich Ihre Partei wählen?
Wer ein sozial gerechteres Sachsen-Anhalt wünscht, in dem die Menschen für ihre Arbeit existenzsichernde Löhne erhalten, in dem Kinder länger gemeinsam lernen können, anstatt bereits nach der vierten Klasse auf einen Bildungsweg festgelegt zu werden, in dem alle Kinder unabhängig von der sozialen Herkunft gleiche Entwicklungschancen erhalten (z.B. mit einem Ganztagsanspruch auf Betreuung in der Kita oder ein Studium ohne Gebühren), für den ist DIE LINKE die richtige Wahladresse.

Was würden Sie als frisch gebackener Ministerpräsident als erstes in Ihrem Land verändern wollen?
Nun, ich würde zunächst ein Kabinett bilden, und dann wird es in Gemeinsamkeit mit den demokratischen Institutionen und vor allem auch den Menschen in diesem Lande darum gehen, unsere Wahlziele und die Vereinbarungen eines Koalitionsvertrages umzusetzen. Das sind zum Teil sehr komplexe Dinge, Schnellschüsse taugen da nicht, und auch die verbreiteten 100-Tage-Programme sind nicht das, worum es geht. Qualität und die Erarbeitung von breiter Akzeptanz sind allemal wichtiger als Hochgeschwindigkeitspolitik.

5 Fragen an…

In 5 Fragen an... am 7. März 2011 um 10:48

Annekatrin Klepsch, Stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Kinder- und Jugendpolitik und Soziokultur

Frau Klepsch, schon mal die Grünen gewählt?
Na klar! Das war 1998 bei der Bundestagswahl. Ich bin erst 2003 in die damalige PDS eingetreten und habe zuvor mit den Grünen und der SPD sympathisiert, aber auch mit der PDS. Das war relativ gleich verteilt.

Was machen die Grünen zurzeit besser?
In Dresden sind sie deutlich besser aufgestellt was ihre Öffentlichkeitswirksamkeit betrifft. Das hat auch damit zu tun, dass sie sehr viele junge Leute haben, die anders an Politik herangehen. Da wird nicht gewartet, bis die Parteispitze entscheidet und vorgibt, was jetzt zu tun ist.

Was zeichnet linke Jugendpolitik aus?
Man muss Jugendpolitik noch mal differenzieren: Es gibt speziell den Bereich Kinder- und Jugendhilfe und ganz allgemein die Politik für junge Menschen. Politik für junge Menschen ist ein Querschnittsthema: Alles das, was wir jetzt als Freistaat investieren und an Straßen und Schulen bauen, an Bäumen pflanzen und an Wäldern aufforsten, was wir an Wirtschaftsstrukturen schaffen, das betrifft die junge Generation am allermeisten. Die werden am längsten mit den Auswirkungen leben müssen. Und da stehen aus meiner Sicht schon auch die Fragen sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe für alle jungen Menschen im Bildungsbereich, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen im Vordergrund, und natürlich aber auch die Frage ökologischer Nachhaltigkeit als Sicherung von Umweltressourcen, die Voraussetzungen für eine soziale Teilhabe sind.

Auf der fachpolitischen Ebene im Kinder- und Jugendhilfebereich müssen wir sehen, dass wir in Sachsen die Jugendhilfestrukturen, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in den Landkreisen wieder stärken und mehr Geld investieren. Dort hat die Regierung letztes und dieses Jahr den Rotstift überdurchschnittlich stark angesetzt. Wir müssen dafür sorgen, dass Sachsen als Land attraktiv bleibt für junge Menschen. Wir dürfen Jugendliche nicht nur als Humankapital für den Arbeitsmarkt  betrachten, und wir sollten Bildung als Entwicklung von Persönlichkeiten verstehen  und nicht nur als Entwicklung von Fachkräften für die Wirtschaft. Das gehört für mich zur Jugendpolitik dazu. Ein anderer Aspekt auf die Frage ist eben, junge Menschen für gesellschaftliche Mitwirkung, gesellschaftliches Engagement zu begeistern, und das heißt, ich muss Politik attraktiv machen.

Klaus Ernst oder Gesine Lötzsch?
Ich glaube, es ist beiden nicht gelungen, überzeugend darzustellen, dass sie eine Doppelspitze für die Zukunft sein wollen. Das ist sehr schade. Ich vermisse bisher bei beiden zukunftsweisende politische Konzepte und habe sie leider in den letzten Monaten eher in schwierigen personalpolitischen Diskussionen erlebt.

Sie als Theaterwissenschaftlerin, wie wichtig ist Schauspielerei in der Politik?
Ich glaube, es ist wichtig, als Politiker und Politikerin authentisch zu sein und nicht  zu schauspielern. Eine andere Frage ist, inwieweit man auch ein rhetorisch gutes Auftreten hat. Die Leute merken aber schon, wenn man eben nur schauspielert. . Ich selber habe Theaterwissenschaft studiert, da steht man nicht auf der Bühne und arbeitet im Hintergrund am Schreibtisch mit ganz viel Papier, also Stücktexten. Da gibt es gewisse Parallelen zu dem, was ich jetzt mache als Politikerin, dass man eben auch als Abgeordnete sehr viel Papier wälzt, sich mit vielen fachlichen Dingen vertieft beschäftigen sollte. Die große Herausforderung für Politiker ist ja, aus vielen klugen Papieren eine knackige politische Botschaft zu basteln, die die Menschen draußen verstehen, die ihnen auch Glauben an politische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Frau Klepsch, schon mal die Grünen gewählt?

Na klar! Das war 1998 bei der Bundestagswahl. Ich bin erst 2003 in die damalige PDS eingetreten und habe zuvor mit den Grünen und der SPD sympathisiert, aber auch mit der PDS. Das war relativ gleich verteilt.

Was machen die Grünen zurzeit besser?

In Dresden sind sie deutlich besser aufgestellt was ihre Öffentlichkeitswirksamkeit betrifft. Das hat auch damit zu tun, dass sie sehr viele junge Leute haben, die anders an Politik herangehen. Da wird nicht gewartet, bis die Parteispitze entscheidet und vorgibt, was jetzt zu tun ist.

Was zeichnet linke Jugendpolitik aus?

Man muss Jugendpolitik noch mal differenzieren: Es gibt speziell den Bereich Kinder- und Jugendhilfe und ganz allgemein die Politik für junge Menschen. Politik für junge Menschen ist ein Querschnittsthema: Alles das, was wir jetzt als Freistaat investieren und an Straßen und Schulen bauen, an Bäumen pflanzen und an Wäldern aufforsten, was wir an Wirtschaftsstrukturen schaffen, das betrifft die junge Generation am allermeisten. Die werden am längsten mit den Auswirkungen leben müssen. Und da stehen aus meiner Sicht schon auch die Fragen sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe für alle jungen Menschen im Bildungsbereich, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen im Vordergrund, und natürlich aber auch die Frage ökologischer Nachhaltigkeit als Sicherung von Umweltressourcen, die Voraussetzungen für eine soziale Teilhabe sind.

Auf der fachpolitischen Ebene im Kinder- und Jugendhilfebereich müssen wir sehen, dass wir in Sachsen die Jugendhilfestrukturen, insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in den Landkreisen wieder stärken und mehr Geld investieren. Dort hat die Regierung letztes und dieses Jahr den Rotstift überdurchschnittlich stark angesetzt. Wir müssen dafür sorgen, dass Sachsen als Land attraktiv bleibt für junge Menschen. Wir dürfen Jugendliche nicht nur als Humankapital für den Arbeitsmarkt  betrachten, und wir sollten Bildung als Entwicklung von Persönlichkeiten verstehen  und nicht nur als Entwicklung von Fachkräften für die Wirtschaft. Das gehört für mich zur Jugendpolitik dazu. Ein anderer Aspekt auf die Frage ist eben, junge Menschen für gesellschaftliche Mitwirkung, gesellschaftliches Engagement zu begeistern, und das heißt, ich muss Politik attraktiv machen

Klaus Ernst oder Gesine Lötzsch?

Ich glaube, es ist beiden nicht gelungen, überzeugend darzustellen, dass sie eine Doppelspitze für die Zukunft sein wollen. Das ist sehr schade. Ich vermisse bisher bei beiden zukunftsweisende politische Konzepte und habe sie leider in den letzten Monaten eher in schwierigen personalpolitischen Diskussionen erlebt.

Sie als Theaterwissenschaftlerin, wie wichtig ist Schauspielerei in der Politik?

Ich glaube, es ist wichtig, als Politiker und Politikerin authentisch zu sein und nicht  zu schauspielern. Eine andere Frage ist, inwieweit man auch ein rhetorisch gutes Auftreten hat. Die Leute merken aber schon, wenn man eben nur schauspielert. . Ich selber habe Theaterwissenschaft studiert, da steht man nicht auf der Bühne und arbeitet im Hintergrund am Schreibtisch mit ganz viel Papier, also Stücktexten. Da gibt es gewisse Parallelen zu dem, was ich jetzt mache als Politikerin, dass man eben auch als Abgeordnete sehr viel Papier wälzt, sich mit vielen fachlichen Dingen vertieft beschäftigen sollte. Die große Herausforderung für Politiker ist ja, aus vielen klugen Papieren eine knackige politische Botschaft zu basteln, die die Menschen draußen verstehen, die ihnen auch Glauben an politische Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

5 Fragen an…

In 5 Fragen an... am 1. März 2011 um 16:37

Rico Gebhardt, Landesvorsitzender der Partei DIE LINKE in Sachsen und innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion


Herr Gebhardt, wie geht es denn Ihrem alten Freund Gregor Gysi?
Ich habe ihn erst am Wochenende erlebt und habe das Gefühl, dass es ihm gut geht.

Ihr Landesverband ist der größte in Deutschland. Warum haben Sie es bisher nicht geschafft, in Regierungsverantwortung zu kommen?
Nun, es kommt nicht unbedingt darauf an, wie viele Mitglieder wir haben. Aus meiner Sicht liegt es vor allem daran, dass die CDU in Sachsen einen relativ starken, konstanten Eindruck vermittelt und der Bevölkerung das Gefühl gibt, die Probleme für sie zu lösen. Die CDU hatte außerdem Glück mit Biedenkopf als Ministerpräsidenten. Mit ihm kam auch eine gewisse Stabilität in dieses Land. Im Moment ist es sehr schwierig, an den Festen zu rütteln, zumal die sächsische SPD sehr schwach und, im Vergleich zu anderen Bundesländern, ausgesprochen schlecht aufgestellt ist.

Sie wurden in der DDR zum Koch ausgebildet. Was ist denn das Rezept für einen erfolgreichen Wahlkampf?
Ich habe ja sowohl den sehr erfolgreichen Wahlkampf von 2004 als auch den von 2009 zu verantworten gehabt, bei dem wir nicht ganz an den Erfolg anknüpfen konnten. Es kommt tatsächlich auf die richtigen Zutaten und Gewürze an, um dann später eine gute Suppe zusammenrühren zu können.

Wie erinnern Sie sich an Ihre Zeit bei der SED?
Das war eine vollkommen andere Zeit als jetzt bei den Linken. Es war dogmatisch, offene Diskussionen fanden in der Regel überhaupt nicht statt. Ich bin mit 18 freiwillig in die SED eingetreten, aus meiner Überzeugung, nur von innen heraus etwas verändern zu können. Zu kritisieren ist richtig und notwendig, aber sich aktiv einzubringen hielt ich für besser. Aber ich wünsche mir die Zeit der SED nicht zurück.

In einem Satz: Warum links?
Links ist gerecht!

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